Ich trage diesen Artikel schon mehrere Monate in meinem Kopf herum; wälze einzelne Punkte hin und her und überlege was ich eigentlich schreiben möchte. Es geht mir darum zu beleuchten, wie es mit der Evolution des Menschen eigentlich weiter gehen könnte. Wo sind Punkte an denen Gehirn und Körper des Menschen an eine Welt angepasst sind, die es nicht mehr gibt?

Evolution ist ein Prozess, der nicht stillsteht. Es ist der Prozess mit dem sich das Leben durch Zufallsexperimente an neue Gegebenheiten anpasst. Millionen von zufälligen Mutationen; viele davon Schlecht und manche davon mit evolutionärem Vorteil behaftet. Mit Glück propagieren sich die hilfreichen fort.

Nun ist der Mensch in den meisten Dingen kein Spezialist, sondern ein Generalist. Oder anders gesagt: wir sind nicht besonders gut, aber von allem ein bischen. Die einzige Sache in der wir wirklich brillieren ist das Denken. Es stellt sich da die Frage, ob das überhaupt eine Spezialisierung ist oder eher eine spezialisierte Plattform für eine generalisierte Methode Probleme durch denken zu lösen.

Der Mensch hat sich an seine Umgebung über viele hunderttausend Jahre angepasst. Handlungsweisen und Instinkte haben sich entwickelt, die ein Leben in kleinen Gruppen in der "Wildnis" bei ständiger Nahrungsmittelknappheit erleichtern.

Nun hat sich aber die menschliche Gesellschaft schnell entwickelt und hat in wenigen hundert Jahren massiv an Komplexität gewonnen. Es stellt sich die Frage, was Mechanismen sind, die in der vorherigen Gesellschaft sinnvoll waren und funktioniert haben, aber uns jetzt behindern.

Ich will drei Punkte aufzählen, von denen ich mir vorstellen kann, dass der Mensch sich evolutionär anpasst. Diese Veränderungen könnten stattfinden, wenn weiterhin komplexe Gesellschaftsformationen bestehen und viele Milliarden Menschen den Planeten bevölkern. Die Zeiträume werden allerdings sehr groß sein. Aber eins ist sicher: Wieso sollte uns das unbeeinflusst lassen?

Gier

In der feindlichen Natur macht es Sinn Nahrung dann aufzunehmen, wenn sie vorhanden ist. Wenn wir irgendwo Beeren gefunden haben, und sie gerade reif sind, sollten wir am besten alle zu uns nehmen. Wer mehr Nahrung zu sich nimmt und dabei fett wird, hat eine bessere Chance den nächsten Winter zu überleben. Gier nach Nahrung macht Sinn. Umso mehr ich habe, umso besser sind meine Chancen zu überleben und ich kann meine Gene weiter geben.

Was ist nun anders in der stark arbeitsteiligen Gesellschaft, in der wir Leben? Nahrung ist immer verfügbar. Kalorienreiche Nahrung ist sogar billiger, als kalorienarme Nahrung. Wir sind zudem vor dem Winter um ein vielfaches besser geschützt, als dies früher der Fall war. Es gibt also keinen Grund mehr, mehr Nahrung aufzunehmen, als wir bis zur nächsten Mahlzeit verstoffwechseln. Aber wir befinden uns weiterhin in einem andauernden Exzess; und dafür ist unsere Gier nicht ausgelegt.

Unsere Gier hat, in der Situation eines endlosen Nahrungsstroms, aber erhebliche Nachteile. Unsere Körper werden Übergewichtig und in folge davon krank. Diabetis und Adipositas werden epidemisch und belasten sowohl den einzelnen, als auch die sozialen Strukturen.

Aber unsere Gier beschränkt sich nicht nur auf Nahrung, sondern auch auf andere Konsumgüter. Ich bin mir nicht sicher inwiefern der Drang nach mehr "haben wollen" eine Übertragung der Gier nach Nahrung auf andere Güter ist. Aber man kann es sicherlich als Gier beschreiben. Dadurch betreiben wir eine systematische Ausbeutung der Ressourcen der Erde auf Kosten nachfolgender Generationen. Und wir tun dies entgegen besseren Wissens! Evolutionär völliger Käse. Jedenfalls in komplexen menschengefüllten Systemen.

Angst

Angst macht Sinn. Angst bewahrt uns vor gefährlichen Situationen. Angst bewahrt uns davor es für eine gute Idee zu halten in ein Rudel von Löwen zu gehen und sich dazukuscheln zu wollen. Angst schüttet Adrenalin aus und bereitet den Körper auf Flucht oder Kampf vor. Meistens sitzt man eh unter einem Baum und schnitzt einen Stock zu. Fliehen war die Ausnahme. Macht auch alles Sinn; jedenfalls, wenn es etwas gibt vor dem man flüchten oder gegen das man Kämpfen kann.

Aber wir werden nicht mehr von dem großen Teil der Flora und Fauna tyranisiert, sondern das Blatt hat sich gewendet. Solange wir in Gemeinschaft sind müssen wir keine Angst mehr vor den meisten Dingen der Umgebung haben.

Der Mechanismus allerdings, der ist noch da. Und er springt an. Auf viele Dinge. Angst vor Dingen die unsere Existenz garnicht in Frage stellen. Angst vor der Präsentation. Angst den Job zu verlieren. Angst verlassen zu werden. Angst das Studium nicht zu schaffen. Das sind, ohne Frage, alles unangenehme Dinge die man gerne Vermeiden möchte, aber sie werden einen in den seltensten Fällen direkt, oder auch nur indirekt, umbringen.

Stress wird häufig als andauernder Angstzustand, als ständiges angespannt sein, beschrieben. Und Stress belastet die Gesundheit. Cortisol unterdruckt das Immunsystem. Wer unter Stress stand, zeigt häufig erst dann Symptome, wenn der Stress abgeklungen ist. Und wer einmal mit Menschen, die unter einer Angststörung leiden, zu tun hatte, der weiss auch wie schlimm die Angst das Leben belasten kann.

In einer Welt, die komplex ist und die sich ständig verändert, in der ständig tausend Reize auf uns einfluten, ist es evolutionär eine dumme Idee einen ständigen Angstzustand auszulößen. Vor allem, wenn unsere Existenz von den "Gefahren" garnicht wirklich bedroht ist. Evolutionär könnten wir daher eine erhöhte Angstschwelle entwickeln.

Tod und Lebensdauer

Tod ist der evolutionäre Motor. Wer wengier angepasst ist, der hat eine höhere Mortalitätsrate. Keinen Tod mehr zu haben würde den Stillstand der Entwicklung bedeuten. Jedenfalls wenn wir von Individuuen ausgehen, die ihre Gensequenz nicht maßgeblich während ihrer Lebenszeit ändern.

Im Vergleich zu den meisten Tieren ist unsere Lebensspanne schon relativ lange. Außerdem sterben menschliche Individuen nicht kurz nach ihrer Zeugungsunfähigkeit (Grossmutter-Hypothese). Find ich persöhnlich ja auch eine gute Sache, dass das so ist.

Aber unsere Lebensspanne ist nur relativ lange im Vergleich zum Zyklus der Jahre auf der Erde. In dem Moment in dem wir die Erde verlassen wollen, ist sie unsere größte Beschränkung. Das Universum lässt es nicht zu, dass wir mit mehr als Lichtgeschwindigkeit reisen. Daher ist eigentlich unsere einzige andere Stellschraube, wie wir interstellare Reisen bei realistischen Geschwindigkeiten durchführen können, lange zu leben.

Auf lange Sicht wird es ein evolutionärer Vorteil sein sich an die Zeitskalen des Universums anzupassen. Dies mag dann sogar den Nachteil des langsameren Evolutionsmechanismus ausgleichen. Außerdem zeigt sich dann vielleicht auch ein höhreres Maß an Binnen-Evolution, bei der sich einzelne mutierte Zellen innerhalb eines Organismus als Vorteilhaft erweisen und sich durchsetzen.

Posted Sat 24 Oct 2015 09:07:11 AM UTC

Dieser Beitrag ist eine Erwiderung auf den Blogbeitrag von Maxfragg vom 5. Oktober 2015. Er hat dort beleuchtet, dass wir bisher einen "Major Consensus Narrative" (MCN) hatten, der durch die Medien vermittelt wurde. Dieser MCN behauptet von sich die "Wahrheit" zu sein; die "Tagesschauwahrheit".

Maxfragg stellte sich nun die Frage, was mit diesem MCN passiert, wenn wir eine vielfältigere Berichterstattung haben. Jeder kann sich dann seine ganz persöhnliche Wahrheit aus verschiedenen Quellen zusammenstellen, die seine Realität beschreibt. Der eine ließt SPON und schaut die Tagesschau, der andere ließt PI und glaubt an die "Lügenpresse". Brauchen wir dann noch eine Wahrheit? Darauf will ich einige Gedanken verwenden.

Zunächst will ich seinem Aufruf nachgehen, zu zeigen, dass es eine "echte" Wahrheit geben muss. Danach will ich darauf eingehen, wie Vernunft- und Tatsachenwahrheiten sich unterscheiden und die "wissenschaftliche" Wahrheit sich von der "historischen" Wahrheit unterscheiden. Das Ergebnis der Untersuchung wird sein, dass wir zwischen Wahrheiten und Hypothesenräumen unterscheiden müssen und der MCN ein Hypothesenraum ist, der die Wahrheit beinhalten kann.

Gibt es Wahrheit? Ist das überhaupt die richtige Frage? Wir tun uns schwer damit, die Frage zu beantworten, daher beantworte ich zunächst eine andere (in guter Sonnebornscher Manier): Gibt es das Gegenteil von Wahrheit? Und da müssen wir doch sagen: ja, gibt es. Bei manchen Dingen können wir uns sicher sein, dass sie nicht wahr sind, dass die Welt so nicht beschaffen ist. Ein Beispiel: Der Satz "jeder Mensch kann ohne Kopf Leben mehrere Jahre leben" ist nicht wahr. Es gibt mindestens ein Gegenbeispiel. Der Satz kann nicht wahr sein.

Zwei Hypothesenraeume

Es gibt also einen Bereich von Sätzen/Hypothesen/Aussagen die nicht wahr sind. Wir haben über die letzten 2500 Jahre die wissenschaftliche Methode entwickelt, um Hypothesen zu falsifizieren. Das Ergebnis dieser Methode ist allerdings nicht die Wahrheit an sich, sondern ein Kreis der sich immer Enger zieht. Außerhalb des Kreises sind all die falsifizierten Aussagen, innen die bisher nicht bewiesenen aber noch nicht wiederlegten Hypothesen. Die Menge innerhalb des Kreises ist ein Hypothesenraum.

Das kleine Bildchen soll das Verhältnis von Wahrheit und Hypothesenraum verdeutlichen. Die wissenschaftliche Methode ist nun ein Druck der von Aussen der auf den Hypothesenraum drückt, und versucht den Kreis enger zu ziehen. Innerhalb des Kreises nehmen wir mal einen Punkt an, der beschreibt wie die Welt wirklich ist, wie sich das Universum verhält. Also was denn tatsächlich passiert. Wir nennen diesen Punkt mal "Wahrheit", auch wenn wir ihn nicht an sich ausmachen können; wir können nur sagen wo er nicht ist.

Was sich daraus nicht direkt ergibt ist, ob es nur einen solchen Punkt gibt, oder mehrere (rechte Bildhälfte). Aber geben muss es mindestens einen, da das Universum sich ja irgendwie verhält. Bisher haben wir keine Annahme zu glauben, dass das Universum sich gleichzeitig so und so verhält. Es kann sich in jeder Situation anders verhalten, aber zu einem Zeitpunkt verhält sich das Universum auf jeden Fall irgendwie. Daher ist "eine Wahrheit" eine Hypothese, die sich bisher recht gut macht.

Gut, soweit so kompliziert. Jetzt dieses MCN Konzept. Bei Hannah Arendt habe ich die Unterscheidung zwischen Vernunftwahrheiten und Tatsachenwahrheiten gelernt (Wahrheit und Politik, H. Arendt, 1964, Tonmitschnitt von Arendt).

Vernunftwahrheiten können durch Experiment und Nachdenken jederzeit erkannt werden. In diesen Bereich fallen alle physikalischen Gesetze. Würden wir heute die Relativitätstheorie verlieren, so könnte sie in 10.000 Jahren von eine Lebenwesen auf einem anderen Planeten wieder entdeckt werden. Eine Vernunftwahrheit kann wiederholt untersucht werden, denn sie gehören zur Stuktur des Universums. Man kann sie auch "objektive Wahrheiten" nennen.

Tatsachenwahrheiten beziehen sich auf singuläre Ereignisse. So ist die Aussage, dass Konrad Adenauer Bundeskanzler war, eine Tatsachenwahrheit. Diese Klasse von Wahrheiten, sind viel leichter zu manipulieren. Arendt bringt hier das Beispiel von der Rolle Trotzkis in der Russischen Revolution. Dort hat sich Stalin an der Tatsachenwahrheit vergangen und Trotzki aus den Geschichtsbüchern getilgt. Dieses Manipulation ist besonders schändlich, da sie Wahrheiten für immer tilgt. Ein historisches Ereignis kann nur einmal "gemessen" werden. Kein Mensch kann eine Tatsachenwahrheit wiederbeleben, wenn erst einmal die perfekte Lüge von allen Menschen geglaubt wird und alle Beweise gefälscht wurden. Man könnte Tatsachenwahrheiten also auch "historische Wahrheiten" nennen.

Der Verlust des MCNs ist nun das Vorhandensein mehrerer solcher Räume die sich teilweise überlappen und unter Umständen die Tatsachenwahrheit beinhalten. Das heisst aber nicht, dass es für eine Sache keine Tatsachenwahrheit mehr gibt. Man ist nur leichter Bereit zu sagen: "ach, ist doch eh alles egal, hat doch jeder seine Wahrheit". Aber dem ist nicht so, nicht jeder hat seine Wahrheit, sondern jeder hat einen anderen Hypothesenraum. Der Wahrheit tut das keinen Abbruch, den für eine historische Wahrheit ist sicher: für den Zeitpunkt um den es geht hat sich das Universum irgendwie verhalten.

Wenn Maxfragg also jetzt über den MCN schreibt, dann bezieht sich dieser MCN meist auf historische Wahrheiten und ist ein Hypothesenraum. Dieser MCN kann nun aktiv Aussagen vertreten, die Ausserhalb des aktuellen Hypothesenraumes liegen; lügen wider besseren wissens. Der MCN übt dadurch Druck aus und verschiebt den Hypothesenraum. Mittels der perfekten Lüge verschiebt man den Raum soweit, dass die Tatsachenwahrheit sich nicht mehr innerhalb befindet. Die Tatsachenwahrheit ist für immer verloren, weil wir nicht nochmal messen können.

Wir dürfen nicht zulassen, dass wir die Tatsachenwahrheiten verlieren, denn einmal verloren, sind sie für immer vergangen.

Posted Tue 06 Oct 2015 10:25:23 AM UTC

Dieser Post ist das Ergebnis mehrerer Begegnungen mit meinen Kollegen und es ist mein Ziel darzulegen, welche meine Beweggründe in einem ganz speziellen, eng abgesteckten Bereich sind und wie ich hier zu meinen Überzeugungen gekommen bin. Ziel ist es nicht meine Ansicht anderen überzuhelfen, sondern nur sie verständlich zu machen.

An meiner Arbeitsstelle bekommen alle Mitarbeiter die Chance einen Dienstlaptop zu kaufen. In den meisten Fällen fällt die Entscheidung auf einen Apple Laptop. Und so stand auch ich am Beginn meiner Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter vor der Frage, ob und welchen mobilen Rechner ich mir zulegen will.

Allerdings habe ich mich aktiv gegen das Kaufen entschieden. Stattdessen verwende ich seit geraumer Zeit ein mehrere Jahre altes Gerät, dass einer meiner Kollegen durch ein Neues ersetzt hat. Es funktioniert noch hervorragend, ist nur nicht mehr auf dem "aktuellen Stand der Technik". Was ich mir habe leisten lassen war ein Hardwareupgrade (RAM, Festplatte) für einige hundert Euro.

Meine bewusste Entscheidung gegen die Neuanschaffung hat mehrere Gründe. Zum einen, ist der Stand der Technik von vor 5 Jahren für die allermeisten meiner Anforderungen völlig ausreichend. Es hat seitdem einfach nur in sehr begrenztem Maße bahnbrechende Verbesserungen gegeben. Nur in einigen Bereichen (Retina-Displays, Akkulaufzeit) ist eine wirkliche Verbesserung spürbar geworden. Brauche ich doch einmal mehr Rechenleistung muss ich diese eh auf größere Infrastruktur ausweichen.

Zum anderen sehe ich es nicht ein, ein völlig funktionsfähiges Gerät auszumustern oder in den Schrank zu legen, nur weil es einige Jahre alt ist. Alter ist kein Problem an sich. Selbstverständlich erhöht sich das Ausfallrisiko einiger Komponenten mit den Jahren, was durch vergangene Komponententauschungen bei diesem Gerät in geringerem Maße zutrifft. Eine Neuanschaffung hingegen ist immer auch Ressourcenverbrauch. Bei der Produktion wird sowohl Energie, als auch andere endliche Ressourcen unseres Planeten verbraucht. Konkret diese Ressourcen werden unsere Nachkommen nicht mehr haben. Und Menschen müssen dafür Arbeiten, damit ich ein neues Gerät in Händen halten kann.

Unser ständiger Wunsch nach den neusten Geräten ist mit einem enormen Ressourcenverbrauch verbunden. Jedes neue technische Spielzeug, von denen wir ja sehr viele haben und haben wollen, bindet Ressourcen. Umso häufiger wir diese wechseln, umso höher wird der Verbrauch. Und solange keine Not besteht, solange will ich diesen Verbrauch hinauszögern soweit es geht.

Außerdem ist Konsum anstregend. Ich will mich nicht ständig mit den neuesten Laptops, Handys, E-Book Readern, Smartwatches und Bildschirmen auseinander setzen. Ich weiss besseres mit meiner Zeit anzufangen. Für mich wiegt das kurzfristige Belohnungsgefühl beim Kauf eines neuen Gerätes nicht mehr den Zeitaufwand der Anschaffung auf.

Ein anderer Grund der speziell für die Informatik ist und der über dieses eine konkrete Gerät hinaus geht ist ein eher Ideelles. Mit unendlichen Ressourcen kann ich in der Informatik das allermeiste bewältigen. Probleme können häufig durch teurere Hardware erschlagen werden. Aber wir wissen auch, dass alle Rechner prinzipiell gleich mächtig sind, wenn wir sie einmal als angenäherte Turing-Maschine begreifen. Die Kunst eines guten Programmiers ist es aus wenigen Ressourcen alles rauszuholen was geht. Das ist Kunst: aus (fast) nichts (fast) alles machen.

Und dies trifft auch gerade in dem Bereich der Informatik mit dem ich mich beschäftige zu. Betriebssysteme will niemand haben; niemand will seine kostbaren Rechenzyklen dafür hergeben, dass das Betriebssystem irgendwelchen Quatsch berechnet. Am besten das Betriebssystem wäre garnicht da. Hier, und noch viel mehr im Bereich der eingebetten Systeme, kommt es im Besonderen darauf an Ressourceneffizient zu arbeiten. Ich sehe allerdings, dass dieser Geist und diese Freude am Minimalismus nicht mehr so populär ist.

Ich jedenfalls werde die Benutzung dieses Laptops solange ausdehen, wie das nur überhaupt möglich ist.

Posted Tue 08 Sep 2015 07:32:13 PM UTC

Zur Zeit befinde ich mich wiedereinmal in schönen Schweden. Letztes Jahr was ich mit zwei Freunden einige Zeit mit dem Wohnmobil von Västerås nach Göteborg unterwegs. Ich habe in der Zeit den schönsten See der Welt gesehen und die Gegend sehr genossen. Ich kann die Strecke wirklich empfehlen, wenn man mit Wohnmobil oder Zelt unterwegs ist.

Dieses Jahr hatte ich glücklicherweise, dank einer Konferenz in Lund, wieder die Chance nach Schweden zu kommen. Diesmal deutlich weiter südlich als letztes Jahr. Lund befindet sich in der Provinz Skåne und etwa 20 Kilometer nördlich von Malmö. Mit seinen 100.000 Einwohnern ist es ungefähr so gross wie Erlangen, hat aber tatsächlich eine noch grössere Universität. 46.000 Studenten absolvieren an der Universität von Lund ihr Studium. Meine Gastgeberin hier meinte auch, dass alle Studenten irgendwie auf dem Stadtgebiet Leben, was zu einer enormen Platznot führt. Aktuell sind gerade Ferien, daher bekomme ich nicht so besonders viel von diesen Studentenmassen mit.

Das Universitätshuset Die Unibibliothek Ein weiteres Universitätsgebäude, dessen Namen ich nicht weiss

Während der Woche hatte ich nicht besonders viel Zeit mir die Stadt anzuschauen, da ja nebenbei auch noch Konferenz war. Aber Lund ist schon ein wirklich schönes Städtchen, und von grad der niedlichkeit mit Rothenburg o.d.T. vergleichbar, was nahe meines Heimatortes liegt. Die Gebäude sind hier zu einem sehr grossen Teil in Backstein gehalten und es gibt wirklich viele alte Gebäude. Es hat wirklich eine erstaunliche Wirkung auf das Stadtbild, wenn eine Stadt nie wirklich zerstört wurde. Allerding hat man hier auch sehr schnell das allermeiste gesehen. Wie es meine Gastgeberin gesagt hat: "Alles ist 20 Minuten entfernt, alles".

Am Samstag, meinem ersten freien Tag, hab ich mir dann ein Fahrrad gemietet um die Gegend ein bischen zu erkunden. Allerdings dafür, dass Lund von sich behauptet eine Fahrrad Stadt zu sein, ist es ausserordentlich schwierig ein Fahrrad zu leihen. Weil scheinbar alle Läden die Fahrräder verleihen in den letzten Jahren das Angebot eingestellt haben. Ende vom Lied: Ich konnte mir am Samstag um 11 Uhr ein klappriges Damenrad mit einer 3 Gang Nabenschaltung für 25 EUR leihen. Naja, aber immerhin: fahrbarer Untersatz. Was man dann als Gegend zu sehen bekommt ist auch durchaus ansprechend. Ich möchte ausserdem vermelden, dass ich mich 65 km auf diesem Drahtesel, GEGEN den Wind, gekämpft habe.

Kyrka in Dalby Eine Windmühle Der Öresund

Am Sonntag hab ich mich dann mittels "Fahrrad" Richtung Malmö begeben. Ich muss sagen: Minder begeistert. Es ist eine ganz nette Stadt, hat ein paar schöne Ecken, aber so wirklich vom Hocher gerissen hat es mich nicht. Mag auch daran liegen, dass das Wetter nicht ganz so grossartig war wie gestern. Aber Malmö, was direkt am Öresund liegt, ist halt doch nur eine Industriehafenstadt. Von Malmö aus geht auch die Öresundbrücke Richtung Kopenhagen, welche ich auch am Dienstag wieder nehmen werde um zurück zum Flughafen zu kommen. Es ist nämlich so, dass man nach Lund am besten kommt, wenn man nach Kopenhagen (Dänemark!) fliegt und dann mit dem Zug über die Brücke gondelt.

Die Öresundbrücke

Posted Sun 12 Jul 2015 03:17:52 PM UTC

In my current research, I'm working on the dOSEK operating system. dOSEK is dependable operating system that implements the OSEK standard for embedded real-time systems. dOSEK is designed to be resilient against soft-errors (transient hardware faults, bit flipts) in memory and the registers (A paper on RTAS'15 will be published soon). In this blog post, I will describe how we implemented a branchless version of OSEK events, and integrated it in our system. First, I will give a short overview about the scheduling primitive used in dOSEK.

Scheduling in dOSEK

The core of dOSEK is the priority-driven scheduler. OSEK is a static operating-system standard; for a specific system, we know exactly how many threads exists. This number will never change, it is configured at compile time. The scheduler selects always the thread with the highest priority that is runnable and executes it. In dOSEK, a thread is runnable, if its priority is larger than the priority of the idle thread. In pseudocode, the scheduler/dispatcher looks like this:

schedule() {
   current_thread = idle_id;
   current_prio   = idle_prio;

   updateMax((current_thread, current_prio),
             (thread_1_id, thread_1_prio));

   updateMax((current_thread, current_prio),
             (thread_2_id, thread_2_prio));

   updateMax((current_thread, current_prio),
             (thread_3_id, thread_3_prio));

   switch_to_thread(current_thread);
}

The scheduler is generated for the specific system (in this case, for a system with 3 threads), and contains a updateMax() cascade. updateMax() is a hardened operation, that updates the first input tuple with the second one, iff the priority of the second argument-tuple (second tuple, second item) is higher than the priority of the first tuple. In the first cascade element, current_thread is set to thread_1_id, if current_prio \< thread_1_prio. In pseudocode:

updateMax((a, b), (c, d)) {
  if (b < d) {
    (a, b) = (c, d);
  }
}

Events in OSEK

In OSEK, events are the only possibility for a thread to wait on something. Each thread can receive a number of event signals. With the system call WaitEvent(), a thread can wait for one or more events to happen. If any of the events from the list got signaled by another thread with SetEvent, the waiting thread unblocks. Signals are not automatically cleared, but must be cleared explicitly by ClearEvent.

A version with branches can be implemented by two bitmasks:

 struct Thread {
  ...
  event_mask_t events_waiting;
  event_mask_t events_set;
  ...
};

SetEvent(Thread t, event_mask_t m) {
   t.event_set |= m;
}
WaitEvent(Thread t, event_mask_t m) {
   t.event_waiting = m;
}
ClearEvent(Thread t, event_mask_t m) {
   // Remove the event mask bitwise
   t.event_waiting &= ~m;
   t.event_set     &= ~m;
}

Schedule() {
   ...
   if (thread_1.event_waiting != 0
       || (thread_1.event_waiting & thread_1.event_set) != 0) {
      updateMax((current_thread, current_prio),
                (thread_1_id, thread_1_prio));
   }

In this simple variant, we maintain a event_waiting mask, which maintains a bitmask of events a specific thread is waiting for. The event_set bitmask holds a bitmask of signaled events. If a thread is waiting, and none of the waited signals is set, we exclude the thread from the updateMax() cascade. It is get blocked.

But there is one problem here, with dependability: we have branches. Branches are evil; makeing them resilent against soft-errors is hard. Therefore, we want to have a branchless version of it.

Events in dOSEK

Shortly explained, in the branchless version, we let the priority of a thread drop below the idle~priority~, if it currently blocks. Therefore, we calculate a blocking term for every thread that is either zero or the highest priority in the system. This blocking term is substracted from the thread priority, when calling updateMax():

updateMax((current_thread, current_prio),
          (thread_1_id,    thread_1_prio - blocking_term));

For each event, a thread can receive, we have two integer variables W (for waiting) and S (for set). Both variables can have two values: either 0 or High (for highest priority in the system).

In this diagram, we see all four states a event can have. A event is a tuple of (W, S). The set() and clear() operations set override the tuple. If we want to wait for an event mask, we set the W flag accordingly for all events a thread can wait for:

struct Event {
   int W;
   int S;
};

Event thread_1_event_a;
Event thread_1_event_b;

...
WaitEvent(Thread t, event_mask_t m) {
   // t is always known at compile time, and this cascade is generated for the system.
   if (t == thread_1) {
      if (m & 1)
         thread_1_event_a.W = High;
      else
         thread_1_event_a.W = 0;

      if (m & 2)
         thread_1_event_b.W = High;
      else
         thread_1_event_b.W = 0;
   }
}

But how can we now deduce the blocking_term from the event states? First we calculate the blocking_term for a single event. We use a matrix notation that captures all four states from the diagram shown before.

By the blocking term function, we generate a term for each event that is only 0, if the event was used for blocking and is set. In all other cases, the blocking term is High. We achieved this by using only bitwise XOR an OR operation. We're still branchless! :-)

We combine now all blocking terms of all events a specific task can wait for with AND. So the result is only then zero if at least single event, which is on the waiting list, is set. Furthermore, we determine whether we can block in the first place, by combining all W states with OR. The should_wait variable is either High, if we're waiting, or 0 if we're not waiting.

does_block  = blocking_term(thread_1_event_a) & blocking_term(thread_1_event_b);
should_wait = thread_1_event_a.W | thread_1_event_b.W;
blocking_term = should_wait & blocking_term;

Combining both variables with AND, we achieve our blocking term. Branchless. And we can subtract it, before we call the updateMax(), from the threads priority.

Posted Tue 24 Feb 2015 11:14:09 AM UTC Tags:

Immer, wenn ich in die Verlegenheit komme Auto zu fahren, habe ich das Gefühl nur Idioten zu treffen. Also stellt sich die Frage, sind wirklich alle anderen Autofahrer Idioten oder Treffe ich die Idioten die es gibt mit besonderer Häufigkeit. Wenn wir das ganze Mal auf den einfachen Fall Autobahn runterbrechen, dann merken wir dass wir diejenigen, die genauso schnell fahren wie wir, niemals treffen. Wir treffen nur die, die schneller bzw. langsamer fahren als wir, und das mit zunehmender Häufigkeit. Und um das plausibel zu machen, hab ich ein bisschen simuliert und Graphen gemalt.

Zunächst wollen wir uns mal die Geschwindigkeitsverteilung anschauen, wie sie auf einer deutschen, unbeschränkten Autobahn herrscht. Ich hab da mal die Verteilung der MAWES Forschungsgruppe genommen (Studie zur Reduzierung der CO2-Emissionen durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf BAB). Die Verteilung für PKWs sieht man in Bild 1.

Geschwindigkeitsverteilung auf einer unbeschränkten BAB

Bild 1: Geschwindigkeitsverteilung auf einer unbeschränkten Bundesautobahn für PKWs

Es stellt sich nun die Frage, was ist ein Idiot in diesem Zusammenhang? Als unangehmen werden wir es finden, wenn jemand sehr schnell an uns vorbei zieht bzw. wenn jemand sehr viel langsamer fährt als wir selbst. In dem einem Fall ist er ein Idiot, weil der Fahrer viel zu schnell fährt. In dem anderen Fall ist er ein Idiot, weil er schnarch langsam fährt. Als willkürliche Festlegung nehme ich an, dass 40 km/h Geschwindigkeitsunterschied einen anderen Fahrer als Idiot für einen selbst markiert. Natürlich ist die Markierung eines anderen Fahrers als einen Idioten eine völlig subjektive Aktion.

Und jetzt das System in der Simulation. Diese Simulation ist höchstens ein plausibel machen meiner These, kein wirklich aussagekräftiges Ergebnis. In meiner Simulation sind Autos punktförmig; der Betrachtete Autobahnabschnitt ist 10 Kilometer lang; es befinden sich zu jedem Zeitpunkt eine konstante Anzahl Fahrzeuge auf der Strecke. Es wird simuliert, bis eine gewisse Anzahl an Fahrzeugen den Autbahnabschnitt durchfahren haben. Bei der Simulation 100 gleichzeitig fahrenden Autos zählen wir nun die Überholvorgänge, und welcher Anteil der Überholvorgänge ein mulmiges Gefühl erzeugt hat bzw. eine Idiotiezuschreibung vorgenommen wurde von den beteiligten Fahrern. Das Ergebnis der Simulation ist in Bild 2 abgebildet.

Anteil der Überholvorgänge mit Idiotiezuschreibung seitens eines Fahrers

Bild 2:Anteil der Überholvorgänge mit Idiotiezuschreibung seitens eines Fahrers.

Wir sehen hier, dass ungefähr ein Drittel der Überholvorgänge unangenehm ist. Jemand der ungefähr eine Geschwindigkeit fährt, die dem Erwartungswert der Verteilung fährt führt zu weniger unangenehmen Überholvorgängen. Jemand, der 200 km/h fährt, wird viele Mitmenschen viel zu schnell überholen und hat daher einen großen Impact. Für Autofahrer, die sehr langsam fahren, gilt dies übrigens in einem ähnlichen Maße.

Wie sieht die Situation nun aus, wenn wir die Geschwindigkeit hart auf maximal 140 km/h deckeln. Alle die bisher schneller gefahren sind, werden nun auf dieses Maximum gestuzt. Wir erhalten die Verteilung aus Bild 3. Ein weiteres Ergebnis ist auch, dass man sich schon nur von Idioten umgeben fühlt, wenn man nur leicht vom Erwartungswert abweicht. Allerdings zeigen andere Studien, dass der Erwartungswert auf deutschen Autobahnen bei Geschwindigkeitsbeschränkten Strecken über der Beschränkung liegen. Kurz: Wer so schnell fährt wie er maximal darf, fühlt sich nur von Deppen umgeben.

Geschwindigkeitsverteilung auf einer beschränkten BAB

Bild 3:Geschwindigkeitsverteilung bei einem CutOff von 140 km/h.

Bei einer gleichen Simulation erhalten wir nun einen Anteil von idiotischen Überholvorgängen von unter 10 Prozent (Bild 4). Und das, obwohl die Zahl der Überholvorgänge in der gleichen Größenordnung ist wie ohne Beschränkung.

Anteil der Überholvorgänge mit Idiotiezuschreibung seitens eines Fahrers

Bild 4:Auswirkungen auf den Anteil der unangenehmen Überholvorgängen bei Geschwindigkeitsbeschränkung.

Ich nehme aus dieser groben Abschätzung, denn mehr ist diese Simulation nicht, weil sie viele Faktoren (mehrere Spuren, bremsen -- beschleunigen) nicht beachtet, mit, dass eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Autobahn das Leben für alle angenehmer Gestalten würde.

Das Simulationsskript gibt es hier.

Posted Mon 27 Oct 2014 12:27:01 PM UTC Tags:

Ich habe in den letzten Jahren viel über soziale Mechanismen nachgedacht, die auf mich wirken und die dazu führen, dass ich mich auf eine gewisse Art und Weise verhalte. Ich werde hier ein wenig meine Gedanken niederschreiben.

Zunächst möchte ich die Kräfte, die normierend auf mich einwirken, in drei grobe Kategorien einteilen: Werte, Normen und Gesetze. Werte sind die Dinge von denen ich überzeugt bin, dass sie richtig sind und nach denen es sich lohnt zu handeln. Ob diese Werte rational begründet sind, oder beispielsweise aus einer religiösen Ansicht hervorgehen, ist dabei unerheblich. Werte sind die Kräfte, denen ich gerne nachkomme.

Dem gegenüber stehen die Gesetze. Gesetze wirken auf mich, aber ich muss nicht an sie glauben, ich muss sie nur befolgen, weil mir sonst Strafe droht. Allerdings befreien mich Gesetze davon, mich damit zu beschäftigen ob es moralisch gut ist über die Rote Ampel zu gehen oder nicht. Gesetze, vor allem verschriftlichte Gesetze, sind eine Errungenschaft, die es Menschen unterschiedlicher Wertvorstellungen erlaubt miteinander auszukommen. Kriege, die mit religiöser Begründung geführt werden, sind Konflikte von Wertesystemen. "Der andere Christ ist des Tötens wert, weil er an eine andere Interpretation der Dreifaltigkeit Gottes glaubt". Unter diesem Aspekt ist die Juristifizierung der Gesellschaft eine Befreiung und eine Befriedung. Für mehr Details zu diesem Gedankengang, den nicht ich mir ausgedacht habe, empfehle ich SWR2 Aula: Normen für Manager.

Zwischen diesen beiden Polen der Werte und der Gesetze, stehen, in meiner Aufteilung, die Normen. Normen sind Kräfte die auf meine sozialen Interaktionen wirken, die allerdings nicht von Außen kontrolliert werden, wie dies bei den Gesetzen der Fall ist. An Normen muss ich auch nicht zwangsläufig glauben, ich kann sogar meine internalisierten Normen verabscheuen und mich ihnen dennoch beugen. Das perfide an Normen ist, dass der Wächter des Normengefängnisses mein eigener Geist ist. Und ich selbst bekomme natürlich alles mit was ich denke. Mein Geist hat die wirkliche Fähigkeit zur Gedankenpolizei.

Normen sind immer internalisierte Regeln des Zusammenlebens. Das macht sie allerdings nicht unbedingt verabscheuenswert. Ich bin beispielsweise der Meinung, dass es nicht nur ein Gesetz geben muss, dass Mord verbietet, sondern dass auch jeder die Norm internalisiert haben sollte, Mord sei böse. Am liebsten ist es mir sogar, wenn alle den Wert vertreten, Mord sei unmöglich. Normen erfüllen also auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Allerdings tragen Normen auch maßgeblich zur Trägheit einer Gesellschaft bei. Diesen Punkt möchte ich weiter ausführen und ziehe dabei das Beispiel der Homosexualität heran.

Inzwischen sind wir gesellschaftlich so weit, dass wir Gesetze haben, die Homosexualität nicht mehr verbieten (jedenfalls in sehr vielen Ländern, über die anderen mag ich gerade gar nicht sprechen). Wir haben vielleicht sogar eine große Wertakzeptanz von Homosexualität erreicht. Allerdings heißt dies nicht, dass es nicht viele Menschen gibt die eine internalisierte Homophobie in sich tragen. Diese internalisierte Homophobie erlaubt es ihnen unter Umständen nichtden eigenen Gelüsten nachzugehen ohne sich schuldig zu fühlen. Gesetze lassen sich in einer Parlamentsabstimmung ändern, Werte können durch eine einzige Diskussion verändert werden, aber Normen, die wir gelernt haben, bleiben häufig ein Leben lang. Die eigenen Normen zu hinterfragen ist eine schwierige Angelegenheit.

Und wieso ist das so? Wieso ist es so schwer die eigenen Normen zu hinterfragen. Ich glaube, dies liegt daran, dass durch den Prozess der Internalisierung der Norm (dem Erlernen der Norm), wir vermittelt bekommen haben, dass der Inhalt dieser Norm kausal ist. "Mädchen können kein Mathe", "Frauen können nicht einparken", "Männer weinen nicht, und tun sie es doch sind sie schwach", "Homosexualität ist abnormal". Und wir haben diese Normen so oft gehört und so oft gelesen, dass Menschen scheinbar kausale Erklärungen für diese Normen gefunden zu haben scheinen (die Wissenschaft hat sich die Hände sehr schmutzig gemacht), dass wir daran glauben, dass es die rationale Wahrheit ist.

Aber etwas anderes ist häufig der Fall: Normen beinhalten häufig nur Scheinkausalitäten. Weil wir die Normen internalisiert haben, glauben wir, dass der Inhalt der Norm kausal ist und wir nehmen jeden Strohhalm um dies zu untermauern. Aber hat der Platz zwischen meinen Beinen wirklich etwas damit zu tun, wie ich einparke? Oder hat ein Mann wirklich andere biologische Anlagen Tränen zu produzieren?

Das Hinterfragen und Ablegen von Normen geht damit einher, dass wir diese Scheinkausalitäten aufbrechen. Wir fangen an zu hinterfragen, ob mein Penis wirklich etwas mit meinem räumlichen Vorstellungsvermögen zu tun hat und wie zum Teufel ich damit das Lenkrad bedienen soll; besteht da wirklich ein kausaler Zusammenhang. Oder handelt es sich nur um eine Scheinkausalität, die wir erlernt haben und die sozial konstruiert ist und wir durch beständiges wiederholen in den Köpfen sedimentieren.

Posted Fri 24 Oct 2014 07:27:07 PM UTC Tags:

In den letzten Monaten habe ich viel Zeit damit verbracht meiner Masterarbeit zu schreiben. Abgegeben habe ich sie schon im September, aber ich bin erst letzten Freitag dazu gekommen meinen Abschlussvortrag zu halten. Aber das Ergebnis von allem ist, dass ich jetzt einen Masterabschluss habe und mein Informatikstudium nach 5 Jahren beendet habe.

In meiner Arbeit habe ich mich damit beschäftigt wie man in einem eingebetten Echtzeitsystem Wissen über die Interaktion von Betriebssystem und Anwendung extrahieren kann. In der Automobilbranche kommt häufig OSEK als Betriebssystemstandard zu Einsatz. OSEK definiert einen relativ übersichtlichen Satz an Betriebsystemaufrufen.

Um jetzt dieses Interaktionswissen einzufangen, konstruiere ich den Globalen Kontrollflussgraphen für eine einzelne Anwendung. In dem globalen Kontrollflussgraphen sind alle Übergänge von Basisblöcken verzeichnet, wie sie hintereinander auf der realen CPU ausgeführt werden können.

In dem Bild sieht man, dass Task 1, der eine mittlere Priorität hat, einen höher Prioren aktiviert. Nachdem Task 3 an dieser Stelle läuffähig wird, wird er auch auf der Stelle ausgeführt und erst nachdem er sich wieder beendet hat geht es wieder zu Task 1 zurück.

Der Unterschied zum lokalen Kontrollflussgraphen sieht man, an dem ausgegrauten Pfad der direkt vom ActivateTask zum TerminateTask geht. Dieser ist im Task-lokalen Kontrollflussgraphen vorhanden, aber im System-globale Kontrollflussgraphen nicht.

Für weitere Details gibt es:

Posted Mon 13 Oct 2014 12:33:36 PM UTC Tags:

Ein Exlibris ist eine Buchmarke, die man vorne in ein Buch einkleben kann, um den Besitzer anzuzeigen. Diese Tradition der kunstvollen Buchmarke stammt aus dem 15. Jahrhundert, kurz nachdem der Buchdruck mit beweglichen Lettern von Gutenberg erfunden wurde. Da ich diese Trandition recht schön fand, habe ich mir auch ein solches Exlibris entworfen.

Die Hauptgraphik zeigt den Namen des Planeten Galifrey aus der Science-Fiction Serie Dr. Who. Dort haben die Timelords, denen auch der Doktor angehört, ihren Ursprung. Ich mag nicht nur die Serie, sondern finde auch den Namen in galifreyan sehr hübsch. Ausserdem habe ich nehmen meinem Namen und meiner Mail-Adresse als QR-Code noch den Schriftzug "Pignus Amoris Habes!". Dieser lateinische Schriftzug heisst "Du hast meiner Liebe Pfand", was häufig in römischen Eheringen graviert war.

Posted Fri 09 May 2014 07:05:04 PM UTC

Gestern habe ich über die reichlich deprimierenden Veranstaltung "10 Jahre Elitenetzwerk Bayern" geschrieben. Heute will ich über eine Veranstaltung reden, die nur dem Inhalt nach deprimierend war, aber ansonsten eine gute Erfahrung. Es geht um ein Symposium zum Thema "Leben im Überfluss" das in Regensburg stattgefunden hat. Nachhaltigkeit war das Thema das dort um die 40 Leute versammelt hat. Es wurde 4 Tage lang über Strukturen und Mechanismen des Konsums geredet und verschiedene Lösungsansätze diskutiert. Ich werde die Veranstaltung nicht dem Ablauf, aber dem Inhalt nach zusammenfassen, es wird also eher ein "Meine Sicht der Dinge" mit besonderer Berücksichtigung des Symposiums sein.

Die Grundlage aller Betrachtungen zum Thema Nachhaltigkeit ist die Erkenntnis der Endlichkeit aller Ressourcen auf unserem Planeten. Dabei geht es nicht nur um den Klimawandel und den CO2-Ausstoß, den wir verursachen. Es geht auch nicht nur um den Verbrauch von Öl. Wir stoßen mit unserem Verbrauch an sehr viele Grenzen. Wir verbrauchen zu viel Öl (das nicht wirklich nach wächst), zu viel Wasser, zu viel Land, versäuern die Meere zu sehr, vernichten die Artenvielfalt, emitieren zu viele Schadstoffe, etc.. Wir müssen uns vor Augen halten, dass sogar die, von der Sonne eingestrahlte, Energiemenge begrenzt ist. Um ein bisschen zu verdeutlichen wie groß unser Einfluss ist, ist dieser XKCD zu empfehlen, der zeigt wie viel Biomasse unsere Nutztiere im Vergleich zum Rest aller wild lebenden Tiere ausmachen.

Wir haben keine wirkliche unberührte Natur vor uns. Alles ist berührt vom Menschen. Die Natur auf dem Land, die gerne romantisiert wird, ist Kulturland. Geschaffen vom Menschen für sein eigenes Überleben und seine Bequemlichkeit. Es gibt keine unberührte Natur mehr. Nur noch uns und wie wir mit der Menschenspähre (Anthroposphäre) interagieren.

Wenn man sich jetzt die Zahlen anschaut, wie viele Erden man bräuchte um alle Menschen auf einem Gewissen Niveau Leben zu lassen, kommt man zu relativ unangenehmen Zahlen: Leben alle wie in der EU brauchen wir 2.6 Erden; Leben alle wie in den USA brauchen wir 4 Erden. Diese Zahlen berechnen sich aus dem ökologischen Fussabdruck. Die Zahl des ökologischen Fussabdruckes ist selbst umstritten, aber wenn wir konservativ annehmen, dass die Zahlen um 50% zu pessimistisch sind, sieht es ziemlich schlecht aus. Aber es ist natürlich politisch nicht gewollt, dass alle Menschen so Leben wie in den USA oder der EU. Die Grenzpolitik der EU manifestiert eine Festung Europa. Wir schließen uns in Europa ein und hoffen das 938 Millionen Afrikaner nicht auf blöde Ideen kommen bzw. Frontex sie ausreichend in Angst versetzt. Es geht also um die Verteilung unserer Ressourcen auf dem Planeten. Alle Kriege des 21. Jahrhunderts werden Verteilungskriege um begrenzte Ressourcen sein.

Es gibt viele Eckpunkte in dieser Geschichte an der man merkt, dass diese Welt ein ernsthafteres Problem hat, als wir uns das eingestehen wollen. Ich habe meinen Workshopleiter, der im Wissenschaftsbeirat der Bundesregierung war, am Symposium gefragt, ob er eine, nur eine, Studie kennt bei der es für uns nicht düster aussieht. Er sagte nein. Also die Ausgangslage ist nicht gerade rosig.

Jetzt gibt es verschiedene Stoßrichtungen, wie man unsere Gesellschaft(en) Nachhaltiger gestalten kann. Die am leichtesten zu akzeptierende, weil bequem, ist die technokratische Lösung: Wir schrauben die Effizienz unserer Prozesse so weit in die Höhe und machen uns so unabhängig von fossilen Ressourcen, dass wir innerhalb der Grenzen unseres Wachstums bleiben. Wir entkoppeln das Wachstum von begrenzten Ressourcen, eine decarbonisierung der Wirtschat. Das ist sicherlich ein Standbein nachhaltiger Entwicklung, aber ich glaube nicht, dass es ausreichend ist. Zum einen sind wir sehr weit weg von unseren Wachstumsgrenzen und zum anderen löst es nicht die Verteilungs- und Entwicklungsprobleme. Können wir wirklich alle Menschen mit einem I-Phone ausstatten, das es ihnen erlaubt die eigenen globalen Energieströme zu jonglieren. Die Frage die man sich bei jeder Maßnahme stellen muss ist doch: Wie skaliere ich das auf 7 Milliarden (oder später 9 Milliarden) Menschen? Und ich denke, dass bei Elektroautos und Flugzeugen die Antwort sein wird: Ich kann es nicht skalieren.

Die andere Stoßrichtung ist die der Suffizienz. Sie geht von der psychologischen Beobachtung aus, dass wir ab einer gewissen Maß an materiellem Wohlstand nicht mehr zufriedener werden. Das heißt, das jeder Konsum über dieser Grenze, wo auch immer die genau liegen mag, vielleicht kurzfristig das Glück steigert, aber nicht das allgemeine Wohlbefinden einer Person. Die Konsumausgaben über dieser Grenze sind demnach nicht wirklich effektiv, wenn man Konsum als Mittel zur Steigerung des Wohlbefindens sieht. Die Idee der Suffizienz ist eigentlich eine sehr marktwirtschaftliche, weil sie sagt, dass man diese uneffektiven Ausgaben reduzieren muss. Suffizienz ist also die Frage nach den Dingen, die man wirklich braucht. Hauptredner dieser Idee und der Idee der Postwachstumsökonomie in Deutschland ist Niko Paech, bei dem es sich wirklich lohnt zuzuhören (25 Min; mp3).

Um sich den Wahnsinn unseres Wirtschaftssystems vor Augen zu führen, möchte ich nur kurz folgendes zu bedenken geben. Wenn wir jedes Jahr eine konstante Wachstumsrate haben, haben wir im Endeffekt exponentielles Wachstum (man denke an Zineszins). Und das in einer Welt mit begrenzten Ressourcen. Guter Plan!

Eins der wohl leicht verständlichsten Themen, wo diese Suffizienz anwendbar, aber unbequem, ist, ist der Fleischkonsum. Es ist Wahnsinn Nahrungsmittel, die wir schon selbst verstoffwechseln könnten, zuerst noch durch ein Nutztier zu schieben (mit einer Effizienz von ca. 10 %) um dann das Ergebnis zu essen. Es ist eine andere Geschichte Nutztiere Flächen bewirtschaften zu lassen, die nicht für Ackerbau geeignet sind. Aber dieser Fall macht nicht den Hauptteil der Fleischproduktion aus. Nun könnte man in der westlichen Welt auf einen großen Teil seines Fleischkonsumes verzichten, aber man will halt nicht, weil es ist unbequem, weil es eine Aufgabe von Privilegien ist. Es wird einen Punkt in der Geschichte geben, an der hungernde Menschen einsehen, dass Rinder und Schweine ihre Fressfeinde sind. Nachdem ich den Ausführungen der Tierethik nicht folge, kann man daraus nur folgern, dass ich lieber Menschen ernähre als Tiere.

Im Symposium wurden viele Themen angesprochen, aber ich habe mich in meinem Workshop hauptsächlich mit den ganz großen Strukturen auseinander gesetzt. Deswegen möchte ich zum Abschluss noch unser Ergebnis in dieser Hinsicht darlegen. Wir haben die größten Strukturen mit ihrer Motivation, ihren Potentialen und Hemmnissen erarbeitet.

  • Politik -- Die Poltik hat als grundlegende Motivation den Erhalte der Macht. Sie hat die Möglichkeit alle Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen der Rest der Gesellschaft handeln muss. Allerdings ist diese Entscheidungsmacht eingeschränkt vom Gedanken an die eigene Wiederwahl und durchsetzt von Lobbyismus. Als Instrumente hat die Politik Sanktionen und Subventionen in der Hand.
  • Wirtschaft -- Die Wirtschaft hat als primäres Ziel Gewinn zu erwirtschaften. Sie tut dies im Rahmen der gesetzlichen Rahmenbedingungen (ansonsten ist es organisierte Kriminalität), füllt hier aber diesen Rahmen gänzlich aus, inklusive aller Schlupflöcher. Eigentlich ist die Wirtschaft wenn sie sich bewegt flexibel im Anpassen an neue Gegebenheiten. Was aber nicht heißt, dass alle Firmen einen Wandel überstehen. Allerdings ist jedes Umlenken und jede Änderung ein Risiko. Und solange es eine weniger risikoreiche Möglichkeit gibt Profite zu machen gibt es keinen Grund sich zu bewegen. Von einer Suffizienzgesellschaft hätte die aktuelle Wirtschaftsordnung am wenigsten. Als effektivstes Instrumente hat sie Lobbyismus, Werbung und die Hoheit über die Arbeitsplätze. Die meiste Finanzkraft ist hier versammelt.
  • Individuum -- Der einzelne ist eigentlich die Struktur die alles durchdringt. Jeder ist ein Verbraucher, jeder Politiker und jeder Manager. Die grundlegende Motivation des Individuums ist es die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und Glück und Wohlbefinden zu erreichen. Allerdings steht die eigene Bequemlichkeit der unbeschränkten Macht des bewussten Konsums im Wege. Im amerikanischen gibt den Ausspruch "Every Dollar is a VOTE", jede Ausgabe ist eine Entscheidung für etwas und gegen etwas anderes..
  • Wissenschaft -- Sie steht eigentlich querschneidend zu allen anderen Strukturen. Als Struktur sucht sie nach der Wahrheit. Sie hat die steigende Zahl der Wissenschaftler, sowie rigorose Forschungsmethoden auf der Haben-Seite. Sie ist es auch, die den technischen Wandel der Technokraten voran bringen soll. Allerdings ist ihre Unabhängigkeit durch Industrieforschung und Ergebnisbindung von Drittmitteln gefährdet. Ihr Grundprinzip (im Gegensatz zum aktuellen Modus Operandi) wird von den Ideen der Nachhaltigkeit nicht berührt, sondern eher bestärkt. Zum Thema der gekauften Forschungsergebnisse ist vielleicht noch anzumerken, dass sich eine große Firma vielleicht Ergebnisse kaufen kann. Jedoch kann sie sich keine neue Wirklichkeit kaufen. Widerspricht das Ergebnis der Wirklichkeit wird diese das falsche Ergebnis irgendwann überholen.

Eigentlich sollte die Wirtschaft vom Individuum und der Politik in "die Ecke gedrückt werden, bis sie quietscht" (Hat schon bei Franz von Papen und Hitler nicht funktioniert). Sie sollte die Bedürfnisse befriedigen, die in der Gesellschaft da sind, und keine neuen schaffen. Die Realität sieht aber so aus, dass die Wirtschaft die Politik mit Arbeitsplätzen erpresst und Staaten gegeneinander ausspielt (outsourcing). Und auf der anderen Seite die Bedürfnisse des Individuums mit Werbung steuert. Allein die Idee von Werbung, die in einer Welt mit begrenzten Ressourcen neue Bedürfnisse schafft, ist pervers.

Mein erstes persönliches Fazit aus dem Symposium ist es nur noch einmal die Woche Fleisch zu mir zu nehmen. Und ansonsten auch darauf zu achten, was die materiellen Güter sind, die ich wirklich brauche und auch brauchen will. Denn auf die Frage "Brauche ich das?" wird der eigene Geist immer eine gute Antwort finden, die das Bedürfnis rationalisiert. Die Frage "Will ich das? Will ich das wollen?" ist eine viel selbstbestimmtere und autonomere.

Posted Sun 06 Apr 2014 08:23:48 AM UTC

This blog is powered by ikiwiki a